Landesverband Saarland

Erste grenzüberschreitende Fachveranstaltung für Soziale Arbeit in Saarlouis

23.11.2016

Unter dem Motto "Berufsethik - mehr als ein Verhaltenskodex für professionelles Arbeiten" fand Mitte November die erste grenzüberschreitende Fachveranstaltung für Soziale Arbeit in Saarlouis statt. Dazu eingeladen hatte der Landesverband Saar des „Deutschen Berufsverbandes für Soziale Arbeit e.V.“ (DBSH). Neben einem Vortrag über die Berufsethik, welche in den vergangenen acht Jahren von einer eigenen Ethikkommission des DBSH erarbeitet wurde, stellten die Berufsverbände aus der Großregion Saar-Lor-Lux einzelne Projekte und Initiativen vor.

Die Berufsethik stand bei der ersten grenzüberschreitenden Fachveranstaltung für Soziale Arbeit im Saar-Lor-Lux Raum im Vordergrund. In seinem Vortrag "Die Berufsethik des DBSH für die Profession", ging Referent Michael Leinenbach auf die Wichtigkeit der Einhaltung und dem Verständnis zur ethischen Grundeinstellung innerhalb der Sozialen Arbeit ein. Als Bundesvorsitzender des DBSH und Mitglied der Ethikkommission, arbeitete er in der Ethikkommission seit 2007, unter Beteiligung vieler Mitglieder und Einbeziehung des deutschsprachigen Raumes, an dieser Berufsethik mit. Auch hatte er die Berufsethik als zentrale Aufgabe für sich in der Arbeit als Bundesvorsitzender von Beginn an kommuniziert. Als Mitglied des "International Federation of Social Workers" (IFSW) ist es für den DBSH verpflichtend, sich an berufsspezifische Prinzipien zu halten und für die nationale Ebene entsprechend zu entwickeln. Aus diesem Grund beschloss die Bundesmitgliederversammlung des DBSH bereits am 21./23. November 1997 in Göttingen entsprechende berufsethische Prinzipien, die für alle Mitglieder bindend sind. Im Rahmen der Erarbeitung einer eigenen Berufsethik wurden auch die berufsethischen Prinzipien von 1997 im Jahr 2014 modifiziert. Der IFSW ist eine weltweite Vereinigung von Sozialarbeiter_innen aus über 116 Ländern. Gemeinsam treten sie für soziale Gerechtigkeit, Menschenrechte und soziale Weiterentwicklung ein, indem sie der Profession "Soziale Arbeit" auf internationaler Ebene eine Stimme geben (Quelle: DBSH-Bundesseite).

"Die Berufsethik stellt keine „Benimmregeln“ dar, sondern dient den Professionsangehörigen der Sozialen Arbeit als Leitlinien ihre besondere Haltung in der Sozialen Arbeit entsprechend weiter entwickeln zu können. Die Berufsethik beinhaltet einen ständigen Prozess, mit welchem sich die Professionsangehörigen der Sozialen Arbeit in ihrer täglichen Arbeit auseinandersetzten sollen", bekräftigte Referent Michael Leinenbach. In seiner Präsentation zeigte er viele geschichtliche Parallelen zwischen heute und zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf. Er hob die Wichtigkeit der Eigenständigkeit der Sozialen Arbeit hervor und betonte die wesentliche Bedeutung, eine klare Trennung zwischen der Berufsethik des DBSH und staatlichen Organen bzw. Gesetzen zu wahren. Die Würde des Menschen, die bereits im Grundgesetz verankert ist, muss in den Vordergrund gestellt werden.

Anschaulich erklärte der Bundesvorsitzende die Struktur der Berufsethik am Schaubild eines Baumes. Symbolisch steht das Wurzelwerk des Baumes für die Ethik der Sozialen Arbeit mit ihren verschiedenen Ansatzpunkten in verschiedenen ethischen Bezügen. Die Berufsethik nehme sich ihre jeweiligen Anteile daraus und spezifiziere diese. Somit ergebe sich für die Profession  eine Berufsethik, die eine spezielle Haltung der Professionsangehörigen der Sozialen Arbeit beinhaltet. Durch viele fachspezifische Fachfragen aus dem Publikum entwickelte sich eine informative Eigendynamik des Vortrags, bei welchem auch Vergleiche zu den Arbeitsbereichen der Kolleginnen und Kollegen aus Luxembourg und Frankreich gezogen werden konnten.

An diesem Vormittag stellte Jocelyne Pourveur die Initiative "Bientraitance" vor, welche im Jahr 2013 in Luxembourg gegründet wurde und welcher bislang fünf freie Träger angehören. Dazu gehören die Gründungs- und Mitgliederorganisationen Arcus a.s.b.l, Caritas Luxembourg, Croix Rouge luxembourgeoise, elisabeth a.s.b.l und seit 2016 Les Internats Jacques Brocquart a.s.b.l. an. Diese Organisationen aus dem sozialen Bereich handeln gegen jegliche Form von physischer oder psychischer Misshandlung. Die über 6.000 Mitarbeiter_innen, welche in den fünf Organisationen arbeiten, sollen zweifelhafte Situationen beobachten oder Begleiten und an die Anlaufstelle "Bientraitance" Meldung geben, sobald Anzeichen einer Misshandlung vorliegt. Bei dieser Initiative stehen Präventions- und Aufklärungsarbeit, Sensibilisierung sowie eine vertrauensvolle Zusammenarbeit aller im Vordergrund. Wie die Vergangenheit zeige, spielen verfahrene Strukturen, schleichende Unachtsamkeitsprozesse und ein stetig ansteigendes Anforderungspotential hinter vielen Fällen, welche zu prekären Situationen und Konflikten führen können. „Durch eine ständige Durchleuchtung der Arbeitsprozesse der neutralen Anlaufstelle "Bientraitance" werde präventiv gegen strukturelle Fehler vorgegangen sowie Lösungsansätze besprochen und erarbeitet“, so Jocelyne Pourveur.

Charel Schmitt stellte abschließend den fast 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Luxembourger Fachverband für Soziale Arbeit, Bildung und Erziehung (ances) vor. Er präsentierte dabei einige aktuelle Projekte des Fachverbandes auf nationaler sowie internationaler Ebene, bei welchen ances derzeit aktiv mitwirke.

Am Ende der Fachveranstaltung dankte die saarländische Landesvorsitzende des DBSH, Anette Plewka, den anwesenden Teilnehmer_innen für die erste grenzüberschreitende Fachveranstaltung der Berufsverbände für Soziale Arbeit aus der Großregion Saar-Lor-Lux. Nach dieser erfolgreichen Auftaktveranstaltung wurde angeregt, ähnliches im nächsten Jahr fortzusetzen.

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